Manche Türen öffnen sich nur für den, der von sich aus kommt. Der Restaurator Jonas Erlbeck entfernt Schichten. Das ist sein Beruf: Firnis lösen, Übermalungen abtragen, freilegen, was jemand verbergen wollte. In einer Regensburger Privatvilla stößt er unter einem barocken Deckenfresko auf ein zweites Bild - keine Allegorie, sondern ein Protokoll. Neun Masken. Eine Zeremonie. Und am Bildrand eine Frau mit dem Muttermal seiner eigenen Ehefrau. Am selben Abend erzählt Vera ihm von einer Sekunde in einem Hotelflur in Triest, in der sie alles weggeworfen hätte. Es ist nichts passiert. Es ist alles passiert. In drei Nächten folgt Jonas einer Spur aus Andeutungen, Gefälligkeiten und höflichen Warnungen. Ein Antiquar, der nichts gesehen hat. Eine Beamtin, die aufhört zu fragen. Ein Mann mit Handschuhen, der niemals droht. Bis Jonas mit einer Maske im Gesicht in einem Haus im Oberpfälzer Wald steht und das Fresko von 1721 als lebendige Wiederholung sieht. Als man ihn erkennt, wird er nicht bestraft. Man reicht ihm den Regenschirm und wünscht gute Heimfahrt. Diese Höflichkeit ist die Gewalt. "Niemand wird gezwungen. Das ist das Verfahren." Drei Nächte. Zwei Masken. Eine Ehe, die sich als kunstvollste Übermalung von allen erweist. Ein literarischer Thriller über Begehren als Erkenntnisweg und über eine Gesellschaft, die niemanden zwingt und niemanden gehen lässt. Kalt, präzise, ohne beruhigende Auflösung - und geschrieben für das zweite Lesen.